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Meine Formvorstellungen setze ich direkt ins Plastische um - nicht über den Umweg eines anderen Mediums.

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BAD-SALZSCHLIRF KERAMIK-ATELIER

 

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25 Jahre
Keramik-Atelier Helga Hase-Tranelis


Ausstellung in Bild und Ton mit den Werken von Inka G. Kellermann und Sibylle Sellner am 20. und 21. November 2004 von 10:00 bis 18:00 Uhr
Eröffnung am 19. November 2004 - 19:00 Uhr

  

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Von rechts: Inka G. Kellermann, Helga Hase und Sibylle Sellner

  

Interview mit Helga Hase–Tranelis

Vor 25 Jahren sind Sie nach Bacharach gezogen um sich eine eigene Keramikwerkstatt aufzubauen. Wie kam es dazu?

Als frisch gebackene Keramikmeisterin hatte ich eine Stelle in der Fliesenindustrie in der Nähe von Bonn. Der Mangel an kreativen Herausforderungen ließ bald meinen Entschluss reifen, mich selbständig zu machen. Über die Keramikfachschule in Höhr–Grenzhausen hatte ich erfahren, dass Winzermeister Fritz Bastian im Rückgebäude seines Kellereianwesens eine Töpferei ansiedeln wollte, um Bacharach um eine Attraktion zu bereichern. Werkstatt, Haus und Landschaft haben mich begeistert, so dass ich kurz darauf umgezogen bin und los ging es.

Es war doch sehr gewagt, als allein stehende Frau sich in einem Kleinstädtchen selbständig zu machen, in dem Sie niemanden kannten.

Viel umzuziehen, auch allein, war ich gewohnt. Bacharacher sind ein lebensfrohes, aufgeschlossenes Völkchen. Mit viel Unterstützung sowohl von Seiten der Stadt als auch meiner Nachbarn und den neu gewonnenen Freunden habe ich mich schnell eingelebt und mich bald zuhause gefühlt.

Es kam, wie oft im Leben – die junge Töpferin ist nicht lange allein geblieben.

Ja, - Nach 4 Jahren kam Johannes Tranelis zu mir. Wir hatten an der Keramikschule in Höhr- Grenzhausen gemeinsam studiert. Er war sowohl Keramikgestalter, als auch Spiele-Erfinder. Er hatte schon einige Gesellschaftsspiele erfunden und einen kleinen Verlag gegründet. Diese Lebensgemeinschaft hat neue Impulse gebracht. Wir haben zusammen Keramikspiele gemacht und Spieltische als Gartentische, die von unseren Terrassen gar nicht mehr wegzudenken sind. Auch haben wir uns zunehmend freierer Kunst zugewandt, an Wettbewerben um „Kunst am Bau“ und Ausstellungen teilgenommen. Es finden sich in Bacharach viele von uns gestaltete Werbeschilder und auch eine große Wandgestaltung in der Sparkasse.

-und das Leben ist weitergegangen!

Ja natürlich – 1986 haben wir geheiratet, bald kamen Anton und Kuno auf die Welt und die Aktivitäten nach außen wurden gebremst, seitdem braucht das Umsetzen der Ideen halt etwas länger.

  

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Bild: Keramikarbeiten von Helga Hase-Tranelis

  

Wie hat es Sie dann nach Hessen verschlagen?

Auf der Suche nach einem eigenen Haus sind wir in Bad Salzschlirf fündig geworden. Der idyllische Kurort, die liebliche Landschaft und die interessante Bauweise des „Martinistübchens“ haben uns hierher gelockt. Mit Wehmut haben wir die alte Heimat mit dem Kundenstamm und der uns gewogenen Presse 200 km hinter uns gelassen, um von vorn anzufangen. Mit viel Elan haben wir uns ans Restaurieren der schönen Villa gemacht, gleichzeitig aber auch weiter interessante Kachelöfen gebaut. Bald hatten wir uns auch hier einen guten Namen gemacht und gute Freunde gefunden.

Wie ist das mit den Kurgästen? Machen Sie da einen schnellen Euro oder sind die eher „unter Niveau“?

„Die Kurgäste sind so unterschiedlich wie Menschen nun mal sind.. Sie haben nur eines gemeinsam: sie brauchen Erholung und haben eigentlich etwas anderes vor, als Töpfe oder Kunst zu kaufen. So manch einer kauft ein Andenken, 1. darf es nicht viel kosten, 2. soll es die Kur unbeschadet überstehen und 3. muss es in den ohnehin schon überfüllten Koffer passen.
Darüber hinaus wissen nur sehr wenige, das Echte vom Unechten zu unterscheiden und Letzteres zu schätzen. Die meisten „Sehleute“ sind nach 2 Minuten wieder draußen. Gäste sind eher eine gute Möglichkeit, aufgeschlossene Menschen kennen zu lernen. Interessant wird es jedoch erst, wenn jemand wieder zurückkommt, nachdem er sich ein Bild von meiner Arbeit gemacht hat.

  

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Bild: Kachelofen aus dem Atelier Hase-Tranelis.

  

Können Sie Ihre Arbeit bitte etwas genauer erklären?

Zuerst habe ich mit Gebrauchsgeschirr angefangen, alles aus hoch gebranntem Steinzeug. Meinen Ton mische ich aus verschiedenen Rohstoffen nach eigenen Rezepten selbst zusammen. Auch meine Glasuren mache ich nach eigenen Rezepten aus natürlichen Gesteinsmehlen selbst. Dadurch entsteht der einmalige und unverwechselbare Charakter der Helga – Hase – Keramik. Zuerst hatte ich mit kleinen Stücken und Geschirr angefangen, um erst mal mit den Rohstoffen und dem Brennofen vertraut zu werden.

Inzwischen sehen wir hier aber nicht nur Vasen und Geschirr. Wie ging es weiter?

Nach einem Jahr habe ich dann mit der Architekturkeramik angefangen. Schon während meiner Lehrzeit in München habe ich an großen Wandbildern mit gearbeitet und Kachelöfen gebaut. Auf der Meisterschule in Landshut habe ich besonders dieses Gebiet vertieft. Ich bin glücklich darüber, dass von der Fachpresse („Schöner Wohnen“, „Architektur und Wohnen“…)und in Fachbüchern („Moderne Kachelöfen“, „Kachelöfen, Kamine und Kaminöfen“…)gewürdigt wird, dass ich eine der ganz wenigen Keramiker bin, die in Überschlagtechnik maßgeschneiderte Kachelöfen in zeitgemäßer Form entwerfen und herstellen.
Es reizt mich aber auch immer wieder, neue Gebiete zu beschreiten. So haben mich z.B. die Terrassen am Haus verführt, Pflanzschalen für kleine und große Pflanzen zu fertigen, Gefäße, die frosthart sind und daher das ganze Jahr über draußen bleiben können.

Ihre Arbeiten haben einen ganz eigenen Stil – wo kann man sie einordnen?

Mit dem Einordnen habe ich so meine Schwierigkeiten – Begriffe verschleißen so schnell! Kunsthandwerker, Künstler – so nennt sich inzwischen jeder, der gern was bastelt und seine Werke verkaufen möchte. Designer – da denk ich an spitze Winkel, Wegwerfartikel oder Haargeel. Handwerker – kennen viele nur noch als Verarbeitende von vorfabrizierten Massenartikeln. Angewandte Kunst – klingt für mich so abgehoben, nach Museum und ohne Bezug zum Alltag.

  

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Bild: Keramikarbeiten.

  

Sagen Sie uns bitte etwas über Ihre Gestaltungsprinzipien.

Die Grundlage für meine Formen – seien sie auf der Töpferscheibe gedreht oder frei aufgebaut, Geschirr oder Architekturkeramik – ist der Ton. Ich habe eine sinnliche Beziehung zum Ton. Jede Formgebung ist für mich die Auseinandersetzung mit dem Material und seinen Eigenheiten – dem Zufall bleibt da ein angemessener Raum.
Eine Devise lautet: „Der Gebrauch adelt die Form“! Alle Dinge des täglichen Gebrauchs sollten so gestaltet sein, dass sie oft und gerne benutzt werden. D.h. Form und Oberfläche sollen funktionsgerecht sein und unseren Sinnen schmeicheln. Da gibt es einen reichhaltigen Fundus an traditionellen Formen, aus dem wir Töpfer schöpfen können und den wir täglich neu interpretieren. Für Kachelöfen gilt darüber hinaus, dass sie eine optimale Wärmeausnutzung haben und zur Architektur und Einrichtung des Hauses passen. Bei Auftragsarbeiten gilt es, auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden einzugehen. Dies empfinde ich durchaus nicht als Einschränkung meiner künstlerischen Freiheit, sondern als eine bereichernde Herausforderung.

Wie gehen Sie bei der Entwicklung neuer Formen vor? Machen Sie Skizzen oder technische Zeichnungen oder benutzen Sie einen Computer?

Ich mache meine Entwürfe in Ton. Meine Formvorstellungen setze ich direkt ins Plastische um – nicht über den Umweg über ein anderes Medium, welches seinen eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt. Entweder drehe ich die Form auf der Drehscheibe, vielleicht erst mal in klein, oder ich modelliere ein Tonmodell. Dies führt zu sehr keramischen, materialgerechten Formen.

Schicksalsschläge haben Ihre Pläne umgeworfen – mögen Sie dazu etwas sagen?

Schon wenige Jahre nach unserem Umzug nach Bad Salzschlirf überschattete die Krankheit meines Mannes unser Schaffen. Im November 1997 starb er dann plötzlich und unerwartet. Danach habe ich mich erst einmal ganz zurückgezogen, um mich ausschließlich der Familie zu widmen. So nach und nach bin ich dann wieder aus der Versenkung aufgetaucht und knüpfe nun an meine frühere Schaffensweise an. Im vergangenen Jahr habe ich die 10 Jahre in Bad Salzschlirf mit einer schönen Ausstellung in meinen Räumen mit anderen Künstlern gefeiert. Es war für mich ein aufmunterndes Erlebnis, denn es kamen so viele gute Freunde und Kunden, sowohl aus Bad Salzschlirf, der nahen und weiteren Umgebung, als auch aus der Heimat Bacharach.

Sie geben auch immer wieder Lehrgänge in Ihrer Werkstatt. Wie muss man sich die vorstellen?

Menschen wollen nicht nur schöne Dinge haben, sie wollen sie auch selber herstellen. Deshalb biete ich immer wieder Töpferkurse an. Dabei arbeiten wir ohne Drehscheibe, nur mit den Händen und primitiven Werkzeugen wie Hölzern. Vorbilder habe ich bei den vorzeitlichen Töpfern gefunden, die schon vor Tausenden von Jahren ohne aufwendige Ausstattung, aber mit um so mehr Einfühlungsvermögen und Phantasie die schönsten Kunstwerke geschaffen haben. Letztes Jahr haben die letzten Kurse auch im Rahmen der Jubiläumsausstellung ihre Arbeiten gezeigt.

  

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Bild: Keramik in ungewöhnlichem Behältnis.

  

Über die Keramik hinaus haben Sie sich auch noch engagiert. Erzählen Sie davon.

5 Jahre war ich in der AdK – das ist ein Verein von Kunsthandwerkern. Wir haben unsere Interessen nach außen vertreten, Ausstellungen organisiert, Ausschreibungen weitergeleitet, Jurirungen vorgenommen. Es hat mir viel Freude gemacht, die Kollegen gut kennen zu lernen. Dieses Ehrenamt habe ich nach der Geburt des 2. Sohnes aufgegeben.
Vor 12 Jahren habe ich mein Hobby vertieft und das Studium zur Yogalehrerin Beim BdY begonnen. Seit 10 Jahren leite ich eine Yogagruppe.
Nach dem Tod meines Mannes habe ich mich der Hospizgruppe in Fulda angeschlossen, dort die Ausbildung zur Hospizhelferin gemacht und bin dort ehrenamtlich tätig.
Ein besonderes Anliegen sind mir die beiden Zeittauschringe in Fulda und im Vogelsberg. Hier haben sich Menschen zusammengefunden, die sich wechselseitig unterstützen, indem sie füreinander Zeit zur Verfügung stellen - also ohne für ihre Arbeit Geld zu nehmen -, um so der Macht des Geldes über unser Leben etwas entgegenzusetzen.
Ansonsten bin ich immer gerne dabei, wenn fähige Menschen was Gutes tun.

Von Anfang an haben Sie jedes Jahr eine Werkstattausstellung gemacht. Was hat Sie dazu bewogen?

Die Ausstellung –meist im November – ist für mich der Höhepunkt des Jahres. Dazu lade ich immer verschiedene Künstler ein, die auf gleicher Wellenlänge liegen. Es hat sich gezeigt, wie wichtig es ist, einmal ausgesuchtes Kunsthandwerk von hohem Niveau anzubieten, denn für Menschen, die an handwerklich und gestalterisch hochwertigem Dingen interessiert sind, ist es oft schwer, Gutes und Echtes zu finden.
Dieses Jahr wird Inka Gisela Kellermann aus Engelrod ihre Bilder zeigen und mein erster Lehrling Sibylle Sellner ihre Keramiken . Ich werde mein Archiv lüften und Seltenes, auch Skurriles aus den vergangenen 25 Jahren aufbauen.

  

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Bild: Gefüllte Präsentationsvitrine.

  

Nach 25 Jahren – Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Als wichtigstes wünsche ich mir natürlich Gesundheit, Frohsinn und immer gute Ideen. Neben Gefäßen und Architekturkeramik möchte ich gerne auch freier arbeiten – z.B. Figuren. Möglich wird das durch Menschen, mit denen mich ein guter Draht verbindet und die durch ihre Wertschätzung und ihre Aufträge die Grundlage schaffen für meine Existenz.

Frau Hase–Tranelis, wir danken für das Gespräch.

 

 

 

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